Der Mensch blickt in den Weltraum und glaubt von “allen Seiten die Augen des Weltalls teleskopisch auf sein Handeln und Denken gerichtet zu sehen”. Dadurch wird auch noch der bescheidenste Mensch vor Stolz “sofort wie ein Schlauch aufgeschwellt”.

Wenn aber die Erkenntnis nicht mehr so unbefangen aus sich herausgeht und sich in der äußeren Natur zurückgespiegelt findet, wenn die Erkenntnis vielmehr sich auf sich selbst zurückwendet, dann kann es geschehen, daß sie sich als einsames Prinzip inmitten einer erkenntnislosen Natur begreift. Erkenntnis wird selbstbezüglich, sie bemerkt ihren eigenartigen Autismus.

 

Rüdiger Safranski: Nietzsche. Biographie seines Denkens, München  2000, S. 175